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Deutsche Kreuzfahrt-Reedereien

Ice ice baby: Europa am Pio XI Gletscher

Ice ice baby: Europa am Pio XI Gletscher

Die wichtigsten deutschen Kreuzfahrt-Reedereien

Wo bewerben?

Ein guter erster Ausgangspunkt für die Jobsuche ist die Reederei, auch wenn man in vielen Fällen dort nicht direkt angestellt ist.

Die Reederei, bzw. deren Produktmanagement für das jeweilige Kreuzfahrtschiff definieren das Gesamterlebnis Kreuzfahrt mit vielen Stellschrauben.

Vieles davon hat Auswirkungen auf die Crew, z.B.

Welche Fahrtgebiete/Destinationen wird das Schiff anlaufen?

Neben den Klassikern Westliches Mittelmeer, Östliches Mittelmeer und Karibik gibt es viele weitere attraktive Regionen. “Exotischere” Destinationen bedeuten weitere Gästeanreisen (schlecht bei hohem Altersdurchschnitt) und u.U. unattraktive Überführungsreisen, die heruntergepreist werden müssen. Das leisten sich nicht alle Reedereien.

Wie sehen die Routen (Itineraries) aus?

Fährt das Schiff in einer Destination Schleifen (Loops),  oder hat das Schiff eine individuelle Routengestaltung, z.B. mit Weltreisen? Schleifen sind betriebswirtschaftlich besser, denn sie bieten viele Möglichkeiten der Kostenoptimierung (Hafengebühren, Preise für Landausflüge etc.). Für die Crew bedeutet das, in verschiedenen Stammhäfen gut Bescheid zu wissen, und auch in der einen oder anderen Bar (oder Geschäft) gute Preise zu bekommen.

Welche Alters-Zielgruppe wird angesprochen: z.B. Senioren oder Familien?

Die Altersgruppe bestimmt das Unterhaltungsangebot an Bord, aber auch generelle Fragen wie den erwarteten Umgang der Crew mit den Gästen, sowohl im Job als auch ggf. wenn man sich in der Freizeit begegnet. Auf Familienschiffen ist natürlich Bedarf an Kids- und Teens-Club Betreuern, und die Umgangsformen sind meist lockerer.

Wie wird das Schiff positioniert: exklusiver Luxus oder günstige Pauschalreise?

Die Positionierung hat direkten Einfluss auf die Schiffsgrösse und die Guest/Crew-Ratio. Pauschalreisen funktionieren nur mit Masse. Das bedeutet, etwa 2000 Gäste und etwa 700 Crew (1:3). Ausserdem sind die Umgangsformen der Gäste mit der Crew in günstigeren Marktsegmenten schon mal ein wenig rauher. Für viele mindestens genauso wichtig: Die T-Frage, die nach dem Tip bw. Trinkgeld. Auf Luxusschiffen, wo Gäste mehrere tausend Euro am Tag zahlen, und ein relativ persönliches Verhältnis zwischen Crew und Gästen besteht, werden in der Regel hohe Tips gegeben, die einen substantiellen Zugewinn zum Gehalt ausmachen – bei günstigeren Pauschalangeboten, meist noch durch Reedereipolitik unterstützt (All Tips included), kommt hingegen nur wenig hinzu.

Welcher Hotelstandard wird angestrebt: 3, 4 oder 5 Sterne?

Eng mit der vorhergehenden Frage verbunden, aber nicht unbedingt dasselbe. Der Anspruch des Hotelbetriebs an sich selbst regelt hinter den Kulissen den Druck, unter dem man steht. “Geht nicht, gibt es nicht!” steht im Backoffice eines mir sehr gut bekannten Schiffes mit 5 Sternen – wer gegen diese standing order des Hoteldirektors verstösst, hat in der hinterher garantiert stattfindenden Diskussion sehr sehr schlechte Karten. Im Gegenzug winkt eine Top Referenz im Arbeitszeugnis. Andererseits ist das Arbeiten auf einem älteren Schiff mit einfacheren Standards sicherlich entspannter.

Auf welche Märkte wird das Kreuzfahrtschiff ausgerichtet? Z.B. deutsches oder amerikanisches Publikum?

Die Killerfrage für alle, denen Englisch in der Schule immer kalte Schauer über den Rücken jagte. Englische Passagiere erwarten (wie eigentlich alle anderen Nationalitäten auch), mit gutem Englisch angesprochen, und verstanden zu werden. Jeder hat Verständnis für ausländische (das sind in diesem Fall wir) Servicekräfte, aber sie sollten nicht stammeln, radebrechen, die Augen hilflos verdrehen oder fünfmal rückfragen, wenn sie in Englisch angesprochen werden. Auch die T-Frage wird berührt (in den USA gelten 10% als Untergrenze).

Spricht man immer neue Gäste an, oder zielt man darauf bestehende Gäste zu treuen Kunden zu machen (Repeater)?

Repeater haben einen angenehmen Effekt auf die Crew – auf einem Schiff mit hoher Repeaterquote entsteht oft ein besonderes Verhältnis zwischen der Crew und “ihren Gästen”. Das kann dann schon mal damit enden, dass der Chef de rang seine Karriere als privater Butler fortsetzt, oder Reisen unter dem Vorbehalt gebucht werden dass eine bestimmte Person zu dieser Zeit an Bord ist (das waren reale Beispiele!).

Aus allen diesen Bedingungen ergeben sich Gästeprofile, Schiffsgrössen, Destinationen und Routen, und letztlich auch die Zusammensetzung und die Standards der Crew. Es lohnt sich daher in jedem Fall, sich vor der ersten Bewerbung gut über die Kreuzfahrt-Reedereien zu informieren, und das Profil der Reederei (bzw. des Schiffes) mit den eigenen Zielen und Ansprüchen zu vergleichen.

Einen Bike Instructor und relativ lockeren Umgang mit den Gästen wird man auf Hapag-Lloyds MS Europa nicht finden, während Mitarbeiter eines 5-Sterne-Hotels an Land zur Fortsetzung ihrer Karriere nicht unbedingt die Büffetrestaurants der AIDA Schiffe wählen. Nichtsdestotrotz sind beides sehr attraktive Arbeitgeber – eben nur für unterschiedliche Bewerber.

Vor den Kulissen ist nicht hinter den Kulissen

Aus Crewsicht gibt es aber noch weitere Aspekte, die nicht im Hochglanz-Bildmaterial oder den Websites der Reederei zu finden sind. Eine Luxus-Reederei mit einem Top-Schiff und spannenden Zielen muss hinter den Kulissen nicht unbedingt genauso attraktiv sein:

  • Auf Schiffen, auf denen hoher Luxus angestrebt wird, wird naturgemäss viel Crew benötigt (die Crew/Guest Ratio ist 2:1 oder 1,5:1). Platz für die Crew ist teuer, daher wird es dort u.U. in den Unterbringungen enger.
  • Hoher Luxus ist (fast) immer auch perfekte Performance. Nichts für Leute, die ihre Ziele nicht so hoch stecken.
  • Auf dem “lockeren” Clubschiff erwartet man u.U. von Dir, in Deiner Freizeit mit den Gästen zu feiern. Nichts für ruhige Gemüter.
  • Der Flaggenstaat des Schiffes spielt für Crew ebenfalls eine Rolle: Ein “deutsches” Schiff im Werbeprospekt der Reederei bedeutet lediglich, dass mit den Passagieren deutsch gesprochen wird, sagt aber nichts darüber aus wo das Schiff geflaggt (zugelassen) ist (oder, wo die Arbeitsverträge abgeschlossen werden).
  • Der Flaggenstaat regelt auch die Bestimmungen für die Arbeitsbedingungen, wozu z.B. auch Grösse und Ausstattung der Crew-Aufenthaltsräume und Crew-Kabinen gehören.

Informationen aus 1. Hand – unser Forum

Hier bei uns im Kreuzfahrt Job Forum gibt es zu vielen Reedereien unterschiedliche Forumsbeiträge. Die Website ist unabhängig, daher sind einige der Antworten “schonungslos” ehrlich. Beim ausgiebigen Blättern durch die Forumsseiten, oder Suche nach den entsprechenden Stichworten bekommt man schon ein relativ realistisches Bild der einzelnen Firmen. Bitte lest zu einem Thema immer mehrere Kommentare und beachtet dabei,

  • dass es sich um persönliche und individuelle Aussagen handelt, und dass Ihr selbst, oder andere Angestellte desselben Schiffes/Reederei die Situation u.U. ganz anders wahrgenommen haben/hätten.
  • dass das Fehlen positiver Kommentare nicht unbedingt bedeutet, dass es keine positiven Erfahrungen gibt
  • Informationen veraltet sein können (dass z.B. der 2006 bemängelte, unfähige Vorgesetzte inzwischen gar nicht mehr beim enstprechenden Unternehmen ist)
  • dass manche Aussagen bewusst ironisch übertrieben sind, da die Leute auch Spass am Schreiben haben
  • Poster nicht immer die sind, die sie vorgeben zu sein

Nichtsdestotrotz sind zu allen strittigen Themen mehrere, zum Teil sehr kontroverse Meinungen da – und man kann die Poster ja auch nochmal fragen!

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