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Wie komme ich auf’s beste Schiff der Welt?

Cooles Panorama: MS Europa in Longyearbyen

Cooles Panorama: MS Europa in Longyearbyen

Monika Wagener, Senior Recruitment Coordinator bei CSM, über die harte Bewerber-Auswahl für MS Europa (Hapag-Lloyd Kreuzfahrten), 10 Mal in Folge vom “Berlitz Cruise Guide” zum “besten Schiff der Welt” gekürt. Manche der Informationen sind zwar spezifisch für die MS Europa und Hapag-Lloyd, nichtsdestotrotz helfen die Tipps bei jeder Bewerbung in der Kreuzfahrtbranche!

Wie bewerbe ich mich richtig?

Als erstes gilt: Bin ich geeignet? “Wir bekommen immer wieder Bewerbungen, die wir leider sofort wieder zurückschicken müssen,” bedauert Frau Wagener. “Weil sie die K.O. Kriterien nicht erfüllen – die grundlegenden Bedingungen für jeden Bewerber.”

Die 3 bzw. 4 A’s – K.O. Kriterien für alle Hoteljobs

Alter:

Erste Bedingung ist das Alter. Wer sich bewerben möchte, muss mindestens 21 Jahre alt sein (hier kann eine Ausnahme gemacht werden, wenn man während des Vertrages 21 wird), und darf auch nicht älter als 35 Jahre sein (beim ersten Vertrag).

Ausbildung:

Zweite Bedingung ist eine abgeschlossene(!) Ausbildung in der gehobenen Gastronomie ab 4 Sterne aufwärts, z.B. zum Restaurantfachmann/frau, oder Hotelfachmann/frau, oder Koch/Köchin.

(sich) Ausdrücken können in Englisch

Dritte Bedingung: Jeder Bewerber muss in der Lage sein, sich englisch zu verständigen. Es geht nicht darum, Aufsätze in englisch zu schreiben. Aber die internationale Notfallsprache ist englisch, und jeder muss sich in Notfallsituationen bei den (internationalen) Crewmitgliedern verständlich machen können. Das wird beim Vorstellungsgespräch kurz geprüft.

(Gepflegtes) Aussehen

Für das Servicepersonal ist ferner ein gepflegtes Äußeres Bedingung. Dazu gehört auch: keine sichtbaren Piercings, keine sichtbaren Tattoos und keine Straßsteinchen auf den Zähnen.

Wünschenswert sind ferner 1-2 Jahre zusätzliche Berufserfahrung im Anschluss an die Ausbildung. “Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass junge Leute, die wirklich motiviert sind, sich auch früher bewerben. Dagegen haben wir nichts. Wir entscheiden hier von Einzelfall zu Einzelfall. Wer fit ist, bekommt den Job auch ohne die Berufserfahrung,” so Frau Wagener.

Wo kann man sich bewerben?

Entweder bei den Reedereien direkt oder bei einer Recruitingfirma wie CSM (siehe Adressenverzeichnis auf dieser Website). Ob eine Firma zum Kreis der seriösen Anbieter zählt, kann man natürlich nicht immer zweifelsfrei sagen. Frau Wagener empfiehlt aber, auf folgende Anhaltspunkte zu achten:

1. Seriöse Recruiter verschicken keine kostenpflichtigen Informationsunterlagen.
2. Einen Vertrag bekommt man immer, bevor man auf das Schiff geht, nicht erst an Bord.
3. Alle Reisekosten zum Schiff und zurück vom Schiff nach Hause werden von der Reederei übernommen.

Die schriftliche Bewerbung

Wie muss denn eine gute schriftliche Bewerbung aussehen? Als Faustregel, sagt Frau Wagener, bitte VOLLSTÄNDIGE Unterlagen und einen LÜCKENLOSEN Lebenslauf. Das gehört hinein:

1. Ein gutes, aktuelles Foto. Servicekräfte sollten drauf achten, dass sie das Bild gut darstellt, weil das Äußere auch eine Bedingung für die Einstellung ist. “Wir hatten mal einen Bewerber für den Service, den hätten wir nach dem eingeschickten Foto eigentlich gar nicht genommen. Durch Zufall haben wir ihn doch eingeladen, und er entsprach voll unseren Erwartungen. Das war aber aus dem Foto nicht erkennbar.”

2. Ein lückenloser (!) Lebenslauf. “Es erspart uns immer Arbeit, wenn ein Bewerber von Anfang an alles in den Lebenslauf schreibt. Wenn Lücken drin sind, fragen wir sowieso nach.”

3. Kopien aller wichtigen Zeugnisse: Zeugnisse aller bisherigen Arbeitgeber und die Ausbildungszeugnisse (IHK-Prüfungszeugnis bitte nicht vergessen!).

4. Ein kurzes und knappes Anschreiben. “Wir haben immer wieder Bewerber, die im Anschreiben ihren Lebenslauf wiederholen. Diese Extra-Arbeit kann man sich sparen.”

“Eine inständige Bitte: Schicken Sie die Sachen ganz konventionell per Post und nicht per Email. Wir müssen das hier sonst erstmal alles ausdrucken – viel Aufwand bei der Zahl der Bewerber, mit denen wir zu tun haben. Oft bekommen wir auch Dateiformate, die wir nicht öffnen können. Das macht uns einfach nur zusätzliche Arbeit.”

Nachdem CSM die Bewerbung geprüft hat, wird entschieden, ob der Bewerber zum Informationsgespräch in eins der Büros gebeten wird. CSM lädt ausserdem, wie viele andere Recruiter, zu Interview Terminen in Süddeutschland ein, damit Bewerber nicht zu weit reisen müssen.

Worum geht’s im Informationsgespräch?

“Wenn wir Sie einladen, haben Sie mit unserem Anschreiben schon eine Informationsmappe erhalten, in der das Wichtigste über Schiffsjobs zusammengefasst steht. Kommen Sie so ruhig und entspannt wie möglich zum Gespräch. Keine Angst, alle sind am Anfang ein bisschen aufgeregt. Das Wichtigste ist, dass Sie vorbereitet sind. Lesen Sie die Informationen, die wir Ihnen vorab geschickt haben. Bringen Sie Fragen mit! Wir werden mit Ihnen auch eine kleine Konversation in englisch führen. Das ist notwendig. Es kommt hier nicht darauf an, dass Ihr Englisch perfekt ist. Sie müssen sich in Notfallsituationen verständigen können.”

CSM macht beim Informationsgespräch mit manchen Bewerbern (z.B. Küche) einen Test, wo sie Fragen zu Ihrem Fachgebiet beantworten müssen. Dort kann auch schon mal verlangt werden, dass Bewerber ein Fachwort in Englisch schreiben. Köche sollten zum Beispiel schon mal wissen, was “Kalb” auf englisch bedeutet.

Im Informationsgespräch wird von den Bewerbern noch nicht erwartet, dass sie sich sofort für den Job entscheiden. Sie sollen sich vielmehr diesen Schritt genau überlegen und die Entscheidung später in Ruhe treffen.

Andererseits, wenn ein Bewerber nicht überzeugt, so Frau Wagener, wird ihm das sofort nach dem Gespräch mitgeteilt. “Wir sagen den abgelehnten Bewerbern auch, warum wir sie nicht nehmen können. Damit jeder an sich arbeiten kann.”

Wie ist’s mit Praktika, Ferienjobs oder Ausbildung?

“Bei den meisten Kreuzfahrtschiffen gibt’s da leider gar keine Chancen. Um es ganz klar zu sagen: Wir haben weder Praktika, noch Ferienjobs, noch bieten wir eine Ausbildung an. Es gibt nur eine einzige Möglichkeit für einen Quereinstieg neben den K.O.-Kriterien, das ist der Job als Deck Steward (siehe Tipps).

Was gehört in meinen Koffer?

“Vor allem: Nicht zuviel! Denken Sie dran dass Sie an Bord waschen können ;) Dann gilt natürlich, Kleidung je nach Fahrtgebiet. Für die Arktis sind Gummistiefel wichtig. Unbedingt. Für den Süden Sandalen und leichte Klamotten. Für Frauen: schwarze Strumpfhosen en masse. Die kriegen Sie nicht ohne weiteres in Brasilien! Und geschlossene schwarze Schuhe; nicht zu hohe Hacken (ein typischer Anfängerfehler). Männer natürlich entsprechend schwarze Socken, schwarze Schuhe, schwarzer Gürtel. Köche sollten unbedingt an Sicherheitsschuhe denken.”

Frau Wagener, wir danken herzlich für das Gespräch!

Ein paar Extra Tipps vom Profi

Quereinstieg

Wer die K.O. Kriterien nicht erfüllt, für den gibt u.U. eine Chance. Der klassische Job für Quereinsteiger ist Deck Steward. Gesucht sind Jungs mit “sonnigem Gemüt” für den Service auf den Außendecks. Wer Spaß am Service hat und sich hier bewährt, dem stehen dann später im Rahmen der internen Bewerbung auch alle anderen Jobs offen.

Flexibilität

Hotelfachleute lernen in ihrer Ausbildung ein breites Spektrum und sind später universell einsetzbar. Leider zeigen sie in der Praxis oft nur Interesse für bestimmte Bereiche. Frau Wageners Tipp: “Seien Sie flexibel! Als Frau, versteifen Sie sich nicht auf Service oder Rezeption. Bieten Sie an, auch Housekeeping zu machen. Flexbile Bewerber sind viel einfacher unterzubringen, und wenn Sie sich in einem Bereich bewähren, können Sie später viel einfacher intern in einen anderen Bereich wechseln. Auch für Männer gilt, machen Sie nicht das, was alle wollen. Statt eines Barjobs, überlegen Sie, ob Sie nicht z.B. als Rezeptionist anfangen möchten. Was wir eigentlich immer zu wenig haben, sind männliche Rezeptionisten. Während für Frauen –wegen der großen Zahl weiblicher Bewerber- kaum Chancen bestehen, direkt als Rezeptionistin eingestellt zu werden, werden Männer eher gesucht.”

Interne Weiterbewerbung

“Setzen Sie auf interne Weiterbewerbung. Fangen Sie klein an, suchen Sie ggf. einen unpopulären Bereich, bewähren Sie sich dort und bewerben Sie sich intern um eine andere Stelle. Wir sind immer bestrebt, alle Stellen intern zu besetzen, bevor wir externe Bewerber anheuern. Ich kann Ihnen das nur empfehlen. Es verbessert Ihre Chancen auf bestimmte, populäre Jobs ganz entscheidend.”

Pärchen

“Wir haben immer wieder Pärchen, die sich gemeinsam bewerben. Prinzipiell ist es kein Problem, aber man sollte beachten, dass es länger dauert, bis man an Bord kommt. Schließlich ist es immer schwieriger, für 2 Personen passende Jobs zu finden. Trotz dessen ist es meistens unmöglich, gleichzeitig einzusteigen – einen Versatz sollte man einkalkulieren. Es gibt dann auch keinen Anspruch auf eine gemeinsame Kabine. Am besten man stellt sich darauf ein, dass man erstmal in getrennten Kabinen untergebracht ist. Vor Ort auf dem Schiff kann man sich dann an den Crewpurser wenden, der die Kabinenzuteilung regelt. Der wird – wenn irgend möglich- eine Lösung finden.”

Zur Person

Monika Wagener leitet das Hamburger Büro von CSM Cruise Services. Sie trägt den Titel “Senior Recruitment Coordinator” und macht ihren Job “auch aus Liebe zur See”. Bevor sie ins Personalwesen wechselte, war sie selbst 2 Jahre auf Schiffen unterwegs. Angefangen hat sie als “Silver Service Waitress” auf der Vistafjord (Cunard), dann wurde sie Docu-Purser und schließlich Purser. 1994 ging Monika Wagener an Land; zunächst zu CND, einem ehemaligen Rekrutierungsbüro für Cunard, von dort zu CSM Cruise Service. Die Leitung des Hamburger Büros von CSM Cruise Service übernahm sie 2000.
Frau Wagener prüft jährlich etwa 1000 Bewerber.

Zur Firma

CSM Columbia Shipmanagement Ltd., wählt die Bewerber für die Hoteljobs auf verschiedenen deutschen Kreuzfahrtschiffen.

Zum Interview

Das Interview ist schon älter, und inzwischen hat sich einiges in der Branche geändert. So macht z.B. sea chefs das Recruiting für Hapag-Lloyd. Nichtsdestotrotz sind diese Tipps zur Bewerbung auf jedem Kreuzfahrtschiff geeignet – denn was Dich auf’s beste Schiff der Welt bringt, öffnet auch alle anderen Türen.

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