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Der Yogalehrer in Manaus
Please watch your step: Rettungsring in Belize
Reedereien machen sich manchmal kaum Gedanken, wohin die Buchung eines, ähm, “ungeeigneten” Künstlers führen kann.
Die ganze Geschichte war nachmittags passiert. Abends wusste es bereits das gesamte Schiff. Ich werde nie vergessen, wie das Thema beim Abendessen in der Offiziersmesse zur Sprache kam. Es war der erste Tag einer Reise, und die Gäste der vorherigen waren am Morgen zum Flughafen gebracht worden. Mit den Gästen fuhren auch die Künstler, das ist so üblich.
Diese vorherige Reise war begleitet worden von einem selbsternannten Yoga- und Entspannungslehrer. Eine Reederei variiert gerne mal die Zusammensetzung der Künstler, die eine Reise begleiten. Klassische Musiker, ein “Top Act” (meist einer der unverwüstlichen Stars des deutschen Schlagerhimmels), und ein Moderator oder eine Moderatorin gehören immer dazu. Ansonsten sind es mal klassische Künstler, Feldenkrais-Therapeuten, Feng-Shui-Berater oder –eher profan- Lehrer für einen Computerkurs. Halt für jeden Geschmack etwas. Diesmal hatte es ein Yoga- und Entspannungslehrer sein sollen.
Am Morgen bei der Abreise, als sich die Gäste auf der Pier vor dem Schiff versammelten, um gleich in die Reisebusse zum Flughafen zu steigen, war der zuständigen Reiseleiterin der leicht verwirrte Zustand des Yogalehrers schon gleich zu Anfang aufgefallen. Spätestens, als er den Bus auf offener Strecke halten ließ, um kurz pinkeln zu gehen, und erst eine geschlagene dreiviertel Stunde später wieder auftauchte, war klar, dass bei dem guten Mann eine Schraube locker sein musste.
Die Reiseleiterin, im schlimmsten Fall mit Inkontinenzen älterer Gäste und den damit verbundenen Reinungungskosten durch den Busunternehmer konfrontiert, gab dem Yogalehrer zu verstehen, sie hätten jetzt ein kapitales Timingproblem.
Insgeheim wünschte sie sich in diesem Moment nur, sie könne beruhigt die Flugzeugtüre hinter ihm schließen. Als dies geschehen war, kehrte die Reiseleiterin erleichtert vom Flughafen zum Schiff zurück.
Den Rest erfuhren wir später.
Die Angelegenheit war mitnichten erledigt. Die Maschine war auf dem Rollfeld, die Gäste angeschnallt und der Pilot drauf und dran, zu starten, als der Yogalehrer einen Herzinfarkt simulierte (!). Man brachte das Flugzeug zurück zum Gate und den Yogalehrer zur Beobachtung in die Krankenstation. Dort türmte er in einem unbewachten Moment und entwich in den Urwald.
Menschen, die sich auskennen, geben einem Menschen ohne Ausrüstung im Urwald nur wenige Tage.
Trotzdem überwog anfänglich das Schmuzeln. Die Geschichte war aber auch zu blöd. Als wir einige Tage nichts hörten, wich das Amüsement einem ernsteren Mitgefühl. Dann kamen News aus Manaus: Der Yogalehrer war gesichtet worden, wie er an der Pier stand und nach dem Schiff Ausschau hielt – in Unterwäsche. Er wurde von den entsprechenden Behörden aufgegriffen und zurück nach Deutschland geschickt. Glaube ich.