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Teil 6: Schlussakkord
Dies hat die Brücke, meistens einer der zweiten Offiziere, schon seit Beginn der Reise vorbereitet. Auf eine echte Seekarte haben er und einige Mitglieder der Crew, meistens während der 0-4.00 Nachtwache, Motive der Reise gemalt. Immer gefeatured ist ein Bild der Ms Europa, und auch die Reiseroute mit den Anlaufhäfen ist genau eingezeichnet. Ansonsten schwankt das Repertoire je nach Route: Pfeffer auf Madagaskar, Eisberge bei Grönland.
Diese Versteigerung ist gesellschaftliches Ereignis par execellence. Der Erlös kommt –natürlich- einem guten Zweck zu. Und die Damen und Herren, in der Europa Lounge versammelt und gemeinsam im Besitz zahlreicher Millionen, lassen sich in Punkto Großzügigkeit nicht lumpen.
Zu den Veteranen der Versteigerer gehört auf der MS Europa Peter Losinger, der Staff Captain. Der alte Seemann kennt seine Klientel genau, und mit exakter Berechnung plaziert er seine komödiantischen Einlagen. Das Publikum tobt vor Freude, wenn er auf der Karte “meine Freunde, die Tümmler” sucht, oder die tradtionelle Anekdote von den Walen zum Besten gibt. Große Lacher ernten auch seine Dialoge mit den filipinischen Matrosen, die die Karte halten. Mit ihnen scherzt der Mann, dessen Karriere vor mehr als 40 Jahren als Leichtmatrose begann, über die Schwere der Karte (sie wiegt nur ein paar Gramm, trotz der Papptafel) und die baldige Erlösung, sie nicht mehr halten zu müssen.
Dann öffnen sich die Herzen und die Portemonnaies: Eine Seekarte erlöst im Schnitt mehrere tausend Euro, die Rekorde liegen über 30.000 DM. Dabei hängt es auch davon ab, für was gespendet wird. SOS-Kinderdörfer bringen eine gute Quote, “Dolphin Aid” stößt auf weniger Resonanz.
An diesem Abend ist es nicht schlecht: 8.000 Euro. Eine auftoupierte Frau in Blond darf sich zur Belohnung mit dem Kapitän (und ihrer ersteigerten Seekarte) fotografieren lassen. Sie ist Wiederholungstäter: In ihrem Keller hängen schon zwei weitere.
Und nachdem schon soviel Gutes getan wurde, wird es zum Ende der Veranstaltung nochmal so richtig warm um die Herzen: Nach dem Einmarsch des Crewchores erzählt der Kapitän noch einmal die Highlights der Reise und wie stolz die Crew ist, für die Passagiere da gewesen zu sein. Und dann legen sie los: “Keine Frau ist so schön wie die Freiheit…” schmettern Köche, das Restaurantpersonal und die Führungsriege unisono. Paul, der Nightsteward aus Luxemburg, der seit 30 Jahren für Hapag-Lloyd arbeitet, übernimmt den Solopart. Inmitten ihrer Angestellten stehen Hoteldirektor, Cruise Director und Kapitän und schunkeln mit.
Und wenn sich die Choreinlagen, nach dem “Hamburger Veermaster” und anderen unverwüstlichen maritimen Einlagen, dem Ende neigen, und “wieder nach St. Pauli, Hamburg-Altona” in der Reprise erschallt, dann wird hier und dort heimlich eine kleine Träne zerdrückt. Seefahrtromantik, das wissen die Veranstalter, ist gut fürs Geschäft – und fördert das Wiederkommen.
Eine nüchterne Betrachtung zum Schluss: Wenn die Gäste zwei Tage später die Europa verlassen, liegen im Schnitt etwa 10 Tage Kreuzfahrt hinter ihnen. Sie werden für die Fahrt, Unterkunft und Verpflegung mehr als 5000 Euro pro Person ausgegeben haben. Hinzu kommen die Anreisepakete. Ferner werden sie noch einmal die Hälfte für Shore Excursions, Getränke und Services an Bord bezahlt haben. Einige hundert Euro werden in Form von Trinkgeldern den Besitzer gewechselt haben.