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Wie und was wird gefeiert?
Kreuzfahrt Crew FAQ’s
Aussteigerparty
Unter den Zweiäugigen ist der Dreiäugige König – und in der ohnehin nicht schlecht ausgestatteten Partykultur der Europa ist es schwierig, Highlights zu setzen. Trotzdem gelingt es alle paar Wochen: Wenn wieder eine Aussteigerparty ansteht. Nach 6 Monaten Dienst ist man froh, das Schiff nicht mehr zu sehen, und fiebert seinem Ausstieg entgegen. Weitere zwei Monate später möchte man nichts sehnlicher als wieder zurück. Aber für den Moment überwiegt die Freude, wieder nach Hause zu kommen. Verwandte und Freunde zu sehen. Und man weiß, dass man viel erzählen muss.
Diese Vorfreude treibt die Vorbereitungen. Man findet ein Motto und lässt sich in der Druckerei ein Plakat machen. Das muss erst noch vom Hotel Manager erlaubt werden. Dann hängt es, dann ist der große Tag. Und man geht unter Girlanden und anderem herabhängenden Zeug in die verwandelte Piesel. Die Musik bollert, auf der Tanzfläche reibt sich dichtgedrängt Housekeeping neben Küche, Restaurant neben Beauty&Spa. Man lacht und quatscht. Die Aussteiger geben einen aus, was bedeutet, dass man trinken kann, ohne auf den Ausschankschluss achten zu müssen.
Engine Party
“Lasst alle Hoffnung fahren, Ihr, die Ihr eintretet”, stand über den Katakomben der Amphitheater im alten Rom. Und es spiegelt exakt die Gedanken, die manchem kommen, der in die Katakomben der Europa hinabsteigt, wenn die Engine mal wieder zur Party trommelt.
Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Engine ein schlechter Gastgeber wäre – ganz im Gegenteil. Alles ist im Überfluss vorhanden, insbesondere hochprozentige Mischungen und eiskaltes Bier.
Es liegt vielleicht eher an der Folterkeller-Atmosphäre, die dort unten herrscht. Rohre winden sich durch den Raum, seltsame, große Maschinen stehen da, überall hängt Werzeug und man kommt sich vor, als sei man in eine Art von Ingenieuren geleitete Hölle geraten. Naja, irgendwie ist es ja genau das. Abgesehen davon ist es auch ziemlich heiß und eng. Was niemanden davon abhält, ausgiebig zu tanzen. Der Sound dazu kommt übrigens nur teilweise aus der Dose: Zur Begeisterung der filipinischen und zum Amüsement der europäischen Crew übt man sich in –mehr oder weniger gelungenem- Karaoke.
Crew Party
Alle paar Monate heißt es: Offizielle Crew Party. Und Hapag-Lloyd lässt was springen. Der Hauptunterschied (und –vorteil) zu den anderen Parties ist die Location. Ich persönlich habe zwei sehr gelungene Parties erlebt, eine in Südafrika an Land und eine auf See. Erstere fand statt auf dem Weingut Seidelberg bei Paarl (in der Nähe von Kapstadt), es gab Lamm vom Spieß und herrliche Weine, und der ganze Rahmen war eher festlich. Tony Böhmer, einer der HL-Vorstände, hielt zur Eröffnung eine nette, aufmunternde Rede. Der Uneingeweihte mag sich wundern, welche Aufmerksamkeit der Konzern seinen Bediensteten da zukommen lässt. Mit zum Ausmaß des Pakets beigetragen hat sicherlich die Tatsache, dass Douglas Ward an Bord war, der bekannteste Kreuzfahrttester und Herausgeber des Berlitz Cruise Guides. Eines seiner (mehreren hundert) Bewertungskriterien ist auch die Zufriedenheit der Crew. Nichtsdestotrotz war es ein gelungener Abend, auch wenn wir spät nachts noch in die Weinhügel (Berge wäre übertrieben) ausschwärmen mussten, um den schwäbischen Fischkoch zu suchen, der irgendwo komatös herumlag und den südafrikanischen Roten verarbeitete. Er gelangte nicht mit dem letzten Bus, sondern auf verschlungeneren Wegen zurück zum Schiff. Kern der Geschichte waren ein ungebetener Gast um 5 Uhr morgens und 50$ Rechnung für Reinigungsarbeiten an einer Terasse.
Die andere Party fand ebenfalls in warmen Gefilden statt, allerdings an Bord auf der Außenterasse des wunderschönen Lido Café. Dazu hatte man ab 22.00 Uhr das Café für die Gäste geschlossen und feierte ausgelassen. Offizieller Höhepunkt war die Versteigerung zahlreicher Eingeborenen-Kunstwerke, die man auf Madagaskar im Tausch gegen alte Hotelwäsche und verschlissene Uniformen erworben hatte. Der inoffizielle Teil befasste sich mit Musik, gegenseitigem Kennenlernen und Genießen der traumhaften Atmosphäre: 25 Grad milde, tropische Luft und ein leichter, angenehmer Fahrtwind im exponierteren Teil der Terrasse. Und ein kleiner, aber feiner Unterschied zu Parties an Land: Nach Ende der Veranstaltung, gegen 4 Uhr morgens, packten alle, die noch da waren, vom Maitre bis zum Commis, schnell mit an, den Raum für die Frühstücksgäste auf Vordermann zu bringen.
Wild, kinky and wet: Kabinenparty
Wer etwas Exklusives plant, feiert auf der Kabine. Das sollte sinnvollerweise auf dem Zweierdeck sein, weil auf dem Dreier ziemlich viel Führungskräfte wohnen. Oder gleich in einer der Offizierskabinen, die sind größer, haben Bullaugen und unter Gleichen beschwert man sich nicht.
Kabinenparties gibt es in einer Bandbreite von Kindergeburtstag bis “A Night to remember”. In der Liste der 10 Parties, die ich in meinem Leben nie vergessen werde, ist mindestens eine Kabinenparty. Sie fing schon mit der Ankündigung an, bekanntes Partyterrain zu verlassen und neue Welten entdecken zu wollen. Als die ersten Myers Cola über die Köpfe der Anwesenden ausgeleert wurden, wussten wir, es wird spannend. Und als jemand auf die glorreiche Idee kam, den Duschschlauch in die Kabine zu halten, ging der Spaß erst richtig los. Eiswürfel flogen durch die Gegend, Gläser zerbrachen, und irgendwann strippte die erste Weindüse. Beim Leben meiner Großmutter habe ich – wie alle anderen Beteiligten – versprochen, niemals zu erzählen, wer diese Beteiligten waren. Es endete im Morgengrauen, als wir wie eine schräge Kopie der Village People vor dem Spiegel posierten –mit Rettungsweste, Kapitänsmütze und einer großen Hupe bewaffnet. Rings um uns Scherben, kein Poster an der Wand unter 1,60 Meter. Und auf dem Teppichboden der Kabine stand das Wasser zentimeterhoch.