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Wird man schnell seekrank?
Kreuzfahrt Crew FAQ’s
90% werden es nicht. Aber auch die restlichen 10% scheinen drüber hinwegzukommen.
Eine Frage, die immer wieder viele beschäftigt. Und bei der ich absolut nicht mitreden kann: Ich mag das Schaukeln des Schiffes. Und ich möchte beruhigen: In ganzen 6 Monaten Europa habe ich nicht eine Person getroffen, die wirklich ernstlich und dauerhaft an Seekrankheit gelitten hätte, so weit, dass sie nicht mehr hätte arbeiten konnte.
Was nicht heißen soll, dass Menschen die Bewegung der See nicht merken. Aber statt die Folgen hier zu dramatisieren, möchte ich ein paar Argumente anführen, warum man als Crew eines Kreuzfahrtschiffes in der Regel kaum Seekrankheit spürt. Kreuzfahrtschiffe haben zwar einen relativ hohen Aufbau und einen flachen Tiefgang, weswegen sie potentiell emfindlich für rauhe See sind.
5 Argumente dagegen.
Erstens sind Kreuzfahrtschiffe doch recht dicke Pötte, die sich relativ träge bewegen, zumindest verglichen mit einem kleinen Privatboot oder einem Segler.
Zweitens fahren Reedereien mit ihren Luxuskreuzern in der Regel nur in Gewässer, die smaragdgrün schimmern und fast keinen Wellengang haben. Ausnahmen sind mal die Atlantiküberquerungen oder die Fahrt um Südafrika herum, wo der Atlantik und der Indische Ozean aufeinander treffen.
Drittens haben Kreuzfahrtschiffe Stabilisatoren, das sind sozusagen kleine Tragflächen, die beim Fahren unterhalb der Wasseroberfläche ausgeklappt werden und den Rumpf (trotz nur weniger Quadratmeter Oberfläche) erstaunlich gut gegen die Rollbewegungen (das seitliche Schaukeln) stabilisieren.
Viertens wohnt die Crew ziemlich nahe am Schwerpunkt des Schiffes, das heißt auf den unteren Decks, tendenziell zur Mitte hin (das trifft nicht auf alle zu). Dort spürt man die Bewegungen des Schiffes kaum, viel schlimmer wird es ironischerweise auf den begehrten, teuren oberen Decks. Da wackelt es schon anders. Und während Kellner, die beim Mittagessen krank im Bett liegen, eher die Seltenheit sind, kommt letzteres bei den Gästen doch recht häufig vor. Zumal auch Gäste weniger an die Bewegung des Schiffes gewöhnt sind. Denn:
Fünftens behaupten diejenigen, die es wissen müssen, denen nämlich die Bewegung des Schiffes Übelkeit verursacht, dass es eine Gewöhnungsphase gibt. Sprich: In den ersten Tagen quält man sich damit, später merkt man es kaum noch.
Rezepte gegen Seekrankheit gibt es zahlreiche. Eine ältere Dame klopfte einmal -es muss so gegen 15 Uhr gewesen sein- an die Glastür des Hauptspeisesaals, der zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen war und wo ich Fotos machte. Sie zu ignorieren, verbot natürlich die Höflichkeit, und wer 1000 Mark pro Tag zahlt, hat auch außerhalb der Öffnungszeiten ein Recht auf ein persönliches Gespräch; also ging ich zur Tür. Die Dame verlangte kandierten Ingwer, und noch bevor ich mir Gedanken machen konnte, wo um alles in der Welt ich jetzt kandierten Ingwer her bekäme, wies sie bereits auf eine große Silberschale mit dem Gewünschten. Ich gab ihr mit der Servierzange mehrere Stück, und sie vertraute mir an, das sei das beste Mittel gegen Seekrankheit.
Während ältere Damen also kandiertem Ingwer vertrauen, ruhen die Hoffnungen der Besatzung eher auf “Dösi” und Wodka Redbull. Manches Crewmitglied ist vielleicht seekrank – kriegt es aber schlicht nicht mit.
Ansonsten gilt Muddis Hausrezept: Bewegung und frische Luft. Und den Horizont sehen können. Viele Menschen irritiert die Bewegung nur unter Deck, ohne Blick auf das Wasser.
Und alle, denen das nichts hilft, oder denen die Gewöhnung zu lange dauert, brauchen sich ebenfalls keine Gedanken zu machen: Das Bordhospital hat ein paar gute Medikamente, die wirklich helfen.